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SVWL
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Konjunkturaufschwung in Westfalen-Lippe schaltet Gang zurück

Der Aufschwung in Westfalen-Lippe ist im Herbst 2018 ins Stocken geraten. Auch im Jahr 2019 dürfte sich die wirtschaftliche Expansion in der Grundtendenz weiter abschwächen. Denn Weltkonjunktur und Welthandel zeigen sich verlangsamt und dämpfen die hiesigen Exporte. Hauptstütze des Wirtschaftswachstums bleibt die Binnennachfrage: Bau und Konsum sind weiter aufwärts gerichtet.

Grundsätzlich sollte der Aufschwung in Westfalen-Lippe vorerst erhalten bleiben. Allerdings schwächt sich die konjunkturelle Dynamik weiter ab. Vor allem die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich im Frühjahr 2019 spürbar eingetrübt. Im Ergebnis ist der Sparkassen-Konjunkturindikator – als gewogenes Mittel aus Geschäftslage und Zukunftsaussichten von rund 2.900 Betrieben sämtlicher Branchen der Region – zuletzt um knapp vier Punkte auf 124,2 Punkte gesunken. Der Indikator basiert auf den Umfrageergebnissen der acht Industrie- und Handelskammern (IHK) in Westfalen‑Lippe. IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland, IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, IHK Mittleres Ruhrgebiet (Bochum), IHK Lippe zu Detmold, IHK zu Dortmund, Südwestfälische IHK zu Hagen, IHK Nord Westfalen (Münster) und IHK Siegen. Die Konjunkturanalyse berücksichtigt außerdem realwirtschaftliche Daten des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen sowie Erkenntnisse aus der Geschäftsentwicklung der 60 westfälisch-lippischen Sparkassen.

Konjunkturindikator Westfalen-Lippe
Quelle: IHKs in Westfalen-Lippe

Aktuelle Geschäftslage weiterhin gut

Die Geschäftslage der Unternehmen in Westfalen-Lippe stellt sich im Frühjahr 2019 überwiegend positiv dar. Der Anteil der Firmen, die ihre Situation als „gut“ einschätzen, ist um zwei Prozentpunkte auf 49 % zurückgegangen. Der Anteil der Betriebe, die ihre Lage als „schlecht“ einstufen, blieb mit 6 % nahezu unverändert.

Die binnenwirtschaftlich orientierten Branchen weisen weiterhin die besten Lageurteile auf. Besonders gut ist die Stimmung im Baugewerbe. Steigende Einkommen, sehr geringe Finanzierungskosten und der Mangel an attraktiven Anlagealternativen sorgen für eine anhaltend hohe private Wohnungsbaunachfrage. Auch im Handel und im Dienstleistungsbereich blieb die Geschäftslage unverändert positiv. Diese Wirtschaftszweige profitieren insbesondere vom robusten privaten Konsum.

Demgegenüber lief es in der exportorientierten Industrie seit Mitte des vergangenen Jahres nicht mehr rund. Das Lageurteil hat sich entsprechend eingetrübt. Zunächst schlugen Probleme mit dem neuen WLTP-Zulassungsverfahren bei der Fahrzeugproduktion und in der Folge auch beim Fahrzeugabsatz negativ zu Buche. Im Anschluss wirkte die nachlassende Weltkonjunktur dämpfend auf die Exporte.


Geschäftserwartungen trüben sich ein

Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten zeigten sich die westfälisch-lippischen Unternehmen zuletzt spürbar pessimistischer. Der Anteil der Betriebe, die optimistisch in die Zukunft blicken, ist gegenüber der Herbst-Umfrage um einen Prozentpunkt auf 23 % gesunken. Der Anteil der Firmen, die negativ eingestellt sind, ist um vier Punkte auf 15 % gestiegen.

Wenig geändert haben sich die überwiegend positiven Zukunftseinschätzungen in den binnenwirtschaftlichen Branchen Bau, Handel und Dienstleistungen. Die Bauunternehmen erwarten aus den bereits genannten Gründen eine weiterhin stabil hohe Wohnungsbaunachfrage. Handel und Dienstleistungen rechnen mit einem Anstieg der privaten Konsumnachfrage. Zuversichtlich stimmt sie die Aussicht auf höhere verfügbare Einkommen der Privathaushalte. Neben steigenden Löhnen und Gehältern tragen hierzu verschiedene fiskalische Maßnahmen der Bundesregierung wie Abgabensenkungen und Rentenerhöhungen bei.

Merklich eingetrübt haben sich die Geschäftserwartungen der Industriebetriebe. Sie sind am stärksten von den geänderten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen betroffen; entsprechend groß ist die Verunsicherung. Zu den Abwärtsrisiken zählen insbesondere eine Eskalation der von den USA initiierten Handelskonflikte und ein ungeordneter Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. Beides würde höhere Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse sowohl auf Exporte als auch auf Importe nach sich ziehen. Höhere Preise für importierte Vorleistungen verteuern die Produktion hierzulande. Exportzölle führen in der Tendenz zu einer geringeren Güternachfrage aus dem Ausland.


Nachlassender Welthandel und US-Protektionismus dämpfen Exporte

Die Exportaussichten haben sich verschlechtert. Der Anteil der hiesigen Unternehmen, die mit einer steigenden Auslandsnachfrage rechnen, ist um vier Prozentpunkte auf 25 % gesunken. 15 % der Firmen (Herbst 2018: 14 %) erwarten rückläufige Exporte.

In weiten Teilen der Welt schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab. Damit dürfte die Nachfrage nach heimischen Produkten zurückgehen. Hinzu kommen die mit der US-Handelspolitik und dem Brexit verbundenen Risiken. Zudem ist eine erneute Krise im Euro-Raum aufgrund der hohen Staatsverschuldung Italiens nicht auszuschließen.


Investitionsneigung der Unternehmen verliert leicht an Dynamik

Die nachlassenden Exporterwartungen und die Verunsicherung infolge der zahlreichen Konjunkturrisiken hinterlassen erwartungsgemäß Spuren bei den Investitionsvorhaben der hiesigen Unternehmen. Zwar ist der Anteil der Betriebe, die künftig verstärkt im Inland investieren wollen, mit 28 % nahezu unverändert geblieben. Gleichwohl ist der Anteil der Firmen, die künftig weniger in Maschinen und Bauten investieren wollen, um zwei Prozentpunkte auf 16 % gestiegen. Insgesamt dürfte die Investitionstätigkeit leicht an Dynamik verlieren; ein Einbruch bei den Investitionen ist aber unwahrscheinlich.


Arbeitsmarkt: Einstellungsbereitschaft lässt nach

Der Beschäftigungsaufbau dürfte sich in der Region Westfalen-Lippe in den nächsten Monaten fortsetzen. Gleichwohl zeichnet sich im Zuge schwächerer Exporte und Investitionen eine leicht nachlassende Einstellungsbereitschaft der hiesigen Betriebe ab. Der Anteil der Firmen, die ihren Personalbestand aufstocken wollen, ist um zwei Prozentpunkte auf 23 % gesunken. 11 % der befragten Unternehmen (Herbst 2018: 10 %) beabsichtigen, Personal abzubauen.