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SVWL
Standpunkt
Liane Buchholz
Notwendige Rahmenbedingungen für Sparkassen in Westfalen-Lippe von Prof. Dr. Liane Buchholz

Damit sich Sparkassen in einem Umfeld weltweit bestehender und drohender Handels­konflikte sowie einer sich abschwächenden Konjunktur erfolgreich behaupten, hat der Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL) die Aufgabe, die Rahmen­bedingungen für seine Mitglieds­institute zu optimieren. Es gilt, die Chancen der Digitalisierung zur Stärkung unseres Markenkerns zu nutzen und die Konsolidierung in der Gruppe voranzutreiben.

Die 60 Sparkassen in Westfalen-Lippe sind auf Wachstumskurs, wie die Zahlen für das Geschäfts­jahr 2018 eindrucksvoll belegen. Die Wertschöpfung pro Beschäftigten liegt um 7.000 € höher als im bundesweiten Schnitt, den der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit 260.000 € errechnet hat. Bei knapp 19.000 Mitarbeitern (gerechnet auf Vollzeit­äquivalente) macht dies in absoluten Zahlen etwa 133 Mio. € aus, die Westfalen-Lippe besser ist. Auch die Unternehmen, an denen die westfälisch-lippischen Sparkassen beteiligt sind, sind sehr gut aufgestellt.

Der SVWL sorgt für Rahmenbedingungen, die diese Entwicklungen begünstigen. Es geht darum, die westfälisch-lippischen Sparkassen in die Lage zu versetzen, ihre führende Rolle in der Kredit­wirtschaft zu erfüllen. Deshalb setzt sich der SVWL dafür ein, bestehende und künftige Risiken für seine Mitglieds­institute einzudämmen.

Diesen Kurs halten wir auch 2019: Ausdrücklich unterstützen wir in Westfalen-Lippe beispielsweise die Konsolidierungs­bestrebungen bei den Sparkassen-Beteiligungen. Wir sind der Meinung, dass sich mit Konsolidierung die Größen­vorteile realisieren und Effizienz­gewinne heben lassen, um auch in Zukunft Wettbewerbs- und Handlungs­fähigkeit zu sichern. Für eine Fusion sind aus unserer Sicht zwei Bedingungen erforderlich: Sie muss betriebs­wirtschaftlich vorteilhaft und zum beiderseitigen Nutzen der Fusions­partner sein.

Folgendes Bild illustriert unser Anliegen: Zurzeit gibt es in Deutschland elf öffentliche Versicherer. Würden sie sich zusammen­tun, entstünde ein Wettbewerber mit einem erheblichen Markt­vorsprung. Allein von seiner Größe her würde er mit einem Markt­anteil von fast 11 % und einem Prämien­volumen in Höhe von knapp 21 Mrd. € nach aktuell verfügbaren Zahlen auf Platz zwei in Deutschland vorrücken – und damit ganz vorne mit­spielen. Ein solcher öffentlicher Versicherer hätte mit Blick auf die Digitalisierung auch die Kraft, notwendige Investitionen auf diesem Gebiet anzustoßen und erfolgreich zu verwirklichen.

Um Größenvorteile zu heben und Skaleneffekte zu erzielen, halten wir es für ebenso erstrebens­wert, dass es bundes­weit auf Sicht nur noch eine Landes­bau­sparkasse gibt. Würden sich alle acht Landes­bau­sparkassen zu einer zusammentun, wäre diese mit einem Markt­anteil von 37 % die Nummer eins hier­zulande. Klar ist, dass mehrere Schritte notwendig sein werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Positiv beim Blick in den Rückspiegel auf das Jahr 2018 fallen die Abbau­fortschritte bei den Risiken der Ersten Abwicklungs­anstalt (EAA) auf. Die EAA wurde errichtet, um von der im Jahr 2012 zerschlagenen WestLB übernommene Risiko­positionen in Höhe von rund 200 Mrd. € verlust­minimierend abzubauen. Allein im vergangenen Jahr ist es der EAA gelungen, das Kredit- und Wertpapier­portfolio um 4,7 Mrd. € zu reduzieren. Insgesamt ist das Portfolio schon jetzt nominal kleiner als für diesen Zeitpunkt erwartet und zugleich qualitativ besser. Das ist erfreulich, auch wenn uns diese Thematik noch viele Jahre begleiten wird. Der SVWL beschäftigt sich daher mit Konzepten, die zu einem weiteren Risiko­abbau beitragen.

Am Beispiel der Entwicklung rund um die NORD/LB, für die ein Rettungs­paket geschnürt worden war, wird aber auch deutlich, dass sich Sparkassen vor Risiken bei Landes­banken noch nicht ausreichend geschützt haben.

Verbundstrukturen aufräumen

Wegen des bestehenden Kosten- und Ertrags­drucks, der durch das anhaltende Niedrig­zins­niveau noch verstärkt wird, gilt es im Sinne unserer Sparkassen, beim Aufräumen der Verbund­strukturen voranzukommen. Der SVWL unterstützt daher Bestrebungen, auf nationaler Ebene ein Spitzen­institut der Sparkassen-Organisation als Dienstleister für die Sparkassen zu schaffen. Anfangen könnte man mit einem Zusammen­schluss der Institute, die bereits heute mehr­heitlich den Sparkassen gehören.

Auszug aus der Jahres-Pressekonferenz vom 12. Februar 2019

Nötig ist ein Zielfoto, auf das wir zusteuern: Hier scheint ein Spitzen­institut in der Rechts­form einer bundes­unmittelbaren Anstalt öffentlichen Rechts unter Aufsicht des Bundes­finanz­ministeriums und möglichst im vollständigen Eigentum der Spar­kassen eine sinnvolle Lösung zu sein. Das Spitzen­institut sollte ein profitables Geschäfts­modell haben und den Sparkassen keine Konkurrenz machen. Vielmehr geht es darum, dass ein solches Institut Sparkassen bei Geschäften unterstützt, die diese aufgrund ihrer Größe nicht allein machen wollen oder können. Ein Spitzen­institut könnte beispielsweise den Zahlungs­verkehr für die Sparkassen abwickeln und das Konsortial­kredit­geschäft, also die gemeinsame Kredit­vergabe mit Sparkassen, übernehmen. Daneben müsste es ein konkurrenz­fähiges Auslands­geschäft entwickeln. Geschaffen werden könnte ein im europäischen Maßstab bedeutender Asset-Manager.

Die Ratingagentur Fitch hat einer möglichen Zentral­bank in Sparkassen­besitz das Potenzial attestiert, die Zusammen­arbeit und die Struktur in der Sparkassen-Organisation zu verbessern, die Transparenz zu erhöhen und die Kosten zu senken.

Auszug aus der Jahres-Pressekonferenz vom 12. Februar 2019
Markenkern auf dem Weg zunehmender Digitalisierung erhalten

Ein dauerhafter Begleiter auf dem Weg in die Zukunft ist die Digitalisierung. Auch hier sind die Sparkassen nah an ihren Kunden. Insbesondere im Bereich Payment haben die Institute etwa mit dem mobilen Bezahlen oder der Echtzeitüberweisung Lösungen gefunden, mit denen das Bezahlen mit der Sparkasse einfach und überall funktioniert.

Damit geben sie bereits die Antwort auf die alles entscheidende Frage: Wie kann es uns gelingen, den Kern der Marke Sparkasse – bestehend aus Dezentralität, Subsidiarität, Eigen­verantwortlich­keit und Regionalität – bei zunehmender Digitalisierung zu erhalten?

Die Kunden wünschen sich individuelle Lösungen. Zugleich wächst aber auch ihr Bedürfnis nach Heimat, Regionalität und Vertrautem. Sparkassen sind bestens aufgestellt, um beiden Ansprüchen gerecht zu werden.

Auszug aus der Jahres-Pressekonferenz vom 12. Februar 2019